Samstag, 24. Oktober 2009

Unter freiem Himmel

Donnerstag, 22. Okt. 2009 - Glück gehabt. Wir stehen am Eingang des Chobe Parks und haben noch einen Platz im Ihaha Camp bekommen. Also noch einmal schnell zurück nach Kasane, Tanken, Geld holen und ab ins Wild-Live-Reserve. Nach 150m Schotterweg biegen wir rechts ab in Richtung Sedudu Island.

Unsere ersten Elefanten, Antilopen, Büffel und Vögel in freier Wildbahn! Ich fahre. Neben mir klickt die Kamera von Andreas sehr rythmisch - mit geschätzten 5 Hertz. Vermutlich fotografiert er so konstant, damit die Tiere nicht ungewöhnliches vernehmen, wenn wir näher kommen.

Chobe - das erste Mal, um den 4WD auszuprobieren - also den Allrad in vollem Umfang. Ich bin total begeistert, was das Auto alles kann. Sanddünen? Kein Thema! Extreme Steigungen? Kein Thema! Absolut weicher Sand? Kein Thema! Einfach nur genial! Sachen, bei denen ich mit einem normalen Auto nicht einmal drüber nachdenken würde, nimmt der Wagen ohne Probleme. Am liebsten würde ich ab sofort nur noch Off-Road fahren!!!

Irgendwann biegen wir wieder in Richtung Chobe River ab - dort sind sehr viele Tiere zu sehen. Auf einmal höre ich nur "Uhhhhaaaa" von links. Nein, kein Affe, sondern Andreas! Automatische fahre ich ein Ausweich-Manöver - vorne ist allerdings nix. Ich schau nach links und sehe in ca. 5m Entfernung einen Elefanten-Bullen, der sich hinter einem (großen) Baum versteckt hat. Dieser stellte in dem Moment seine Ohren auf uns fing mit einem Fuß an zu scharren. Das ist auch das letzte, was ich vernommen habe, bevor sich mein Fuß zusammen mit dem Gaspedal fast im Motorraum befunden hat und sich mein Blick wieder nach vorne richtete.

Leider gibt's da kein Foto von, wir hatte nur die Super-Zooms auf der Kamera, damit hätten wir max. das Auge aufnehmen können. Nach ca. 5 Minuten hat mein Puls dann wieder die 80 erreicht. Danach gab's noch zahlreiche Tiere - Antilopen, Bussarde, Affen, Büffel, etc. Das Highlight auf dem Weg zum Ihaha Camp waren dann noch die Zebras, die am Fluss bei untergehender Sonne getrunken haben. Oder die Elefanten-Familie mit ähnlichen Aktivitäten wie die Zebras. Oder... ... ...

Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir dann pünktlich am Ihaha Camp an und dürfen auf einem Reserve-Platz campen. Genial - direkt in der Nähe des Chobe Rivers. Der Sonnenuntergang - absolut genial. Keine Wolken am Himmel. Ein roter Feuerball, der binnen von weniger als 15 Minuten in der Wüste versinkt. Irgendwann war die Sonne komplett weg, keine Lichter auf dem Camp-Ground, freier Himmel und STERNE. Wahnsinn. Viele STERNE!!! Davon gibt's noch 2-3 Fotos - die letzten für heute. Gegen halb neun bin ich sowas von platt, dass ich auf den unbequemen Camping-Stühlen einschlafe.

Freitag, 23. Oktober 2009

80% Victoria Falls

Donnerstag, 22. Okt. 2009 - Morgens halb sechs in Zambia. Wir stehen im Hinterhof des Backpackers "Fawlty Towers". Eine Jugendherberge mit riesigem Garten mitten in Livingstone. Irgendwie werden wir wieder früh wach, machen uns zügig auf den Weg und sind gegen ca. 7.00h im Nationalpark "Victoria Falls" angekommen. Auf der Zambia Seite. Zimbabwe werden wir sicher auslassen.

Die Vic Falls sind fünf verschiedene Wasserfälle, von denen wir vier sehen können (also 80%). Den größten sieht man nur von Zimbabwe aus. Sehr beeindruckend. Anfangs gehen wir einen "normalen" Weg auf der gegenüberliegenenden Seite der Wasserfälle. Es ist lnoch sehr früh morgens, Sie Sonne ist vor. ca. einer Stunde aufgegangen und das Licht ist phänomenal.

Gestern haben wir von ein paar Amerikanern den Tipp bekommen, zum "Boiling Pot" runter zu gehen. Darin sammelt sich das Wasser der Falls, bevor es dann in den Zambezi fließt. Die Damen am Empfang verraten uns, dass dies ca. 623 Höhenmeter sind. Wir sollen so ca. 20 Minuten runter brauchen und 30-40 hoch. Ich überschlage kurz: letzte Tour in Bayern durch die Berge: 850 Höhenmeter - hoch ca. 90 Minuten - und keine 30... Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Falls 600m hoch sind - das sind max. 200m. Das könnten also 600ft sein - geteilt durch drei macht das 200m. Whatever!

Wir gehen also runter zum Boiling Pot und stellen fest, dass wir nach ca. 15-20 Minuten bereits unten sind., Ein kleiner Unfall ohne Folgen bei Andreas hat uns noch leicht aufgehalten. Der Boiling Pot ist relativ unspektakulär. Ein großer Wasserstrudel und das war's. Beeindruckend ist allerdings, was für Massen an Menschen so gegen 9.30h zu dieser Stelle runter stürmen - die starten zu einer Bootstour. Und vor allem, wie und was die Einheimischen alles dort runter tragen. Boote, Luftpumpen, etc. und das alles teilweise Barfuß.

Der Rückweg hat uns dann ca. 30 Minuten gekostet. Oben angekommen bin ich echt froh, dass wir nicht auf den Kilimanscharo hoch sind (unsere ursprüngliche Planung, anstatt Süd-Afrika). Schnell das Wasser nachgefüllt und dann in RIchtung "Upstream". Also hoch den Fluss. Davon habe ich mir relativ wenig versprochen. Doch es ist genial. Wir können komplett die Falls entlang sehen und auch in das "Flussbett" gehen. Der Fluss hat so wenig Wasser, dass wir sogar an den Kliüppen entlang wandern können. Beeindruckend. Und gar nicht so gefährlich, wie es aussieht (oder sich anhören mag).

Gegen Mittag machen wir uns dann wieder auf den Weg nach Botswana - mit dem Plan, eine Sun-Downer-River-Cruise zu machen - oder alternativ in den Chobe Park zu fahren und dort zu übernachten.

Eine "Grenz"wertige Erfahrung

Donnerstag, 22. Okt. 2009 - Grenze und Grenzwetig. Zambia. Ein Nachruf. SO etwas habe ich noch nie erlebt. Selbst in China nicht. Bislang hat haben mich die Grenzen nach Namibia und Botswana schon angenervt. Raus aus dem Auto. Pässe bereit legen. Unbedingt selbst Stifte mitbringen. Autonummer merken. Irgendwelche Formblätter ausfüllen. Stempel geben lassen. Dann noch Customs. Danach irgendeinen Betrag zahlen für die Road-Tax (Straßen-Steuern). Und die Ausreise, die zuver erledigt werden muss, habe ich gerade vergessen. Das ganze frisst ca. 30 Minuten. Puhhh!

Und jetzt kommt Zambia. Zum Grenzposten in Kazungula: wir müssen Botswana verlassen, dann über den Zambezi mit einer Fähre, danach kommt die Einreise und wir sind drin. Alles fängt mit der AUsreise Botswana an, bei der wir gewarnt werden, in gar keinem Fall irgendetwas vor der Einreise zu bezahlen. Bei der Dame ein Ausrufezeichen und ein warnender Finger hinter dem Satz. Bei mir ein Fragezeichen. Ein großes Fragezeichen.

Wir fahren über eine kleine Brücke mit hunderten von Schlaglöchern, so dass ich froh bin, überhaupt anzukommen. Nach ca. 350m sehen wir den Zambezi. Wir halten hinter dem letzten Auto und werden im Nu von ca. 8 "Schmeißfliegen" angefallen - Menschlichen "Schweißfliegen". Jeder heißt George oder Mike oder Micheal. Und alle wollen irgendwas von einem. Ätzend. Ich selbst stelle mich als "George Michael" vor und fülle irgendeinen doofen Zettel aus und bekomme gesagt, wo wir auf die Fähre fahren sollen. Leider haben diese "Fliegen" einen "Kleten" Feature. Wir werden sie einfach nicht mehr los.

Auf der Fähre sollen wir dann 20 US$ zahlen; Das Büro auf der anderen Seite soll es nicht mehr geben. Is klar. Wir erinnern uns an die Sätze des Offivers und bleiben. Dabei wird der Fährmann fast agressiv und fordert den Führerschein. Was solls, ist ja nur der Internationale. Wir werden diese Typen nicht mehr los. Jeder will auf unser Auto aufpassen. KIlar. Also bleibt Andreas beim AUto und ich regel den ersten Teil. Hier in kurzform:

Ab zum Immigrations. Zettel ausfüllen. 50$ für das Visum zahlen. Das haben wir nicht. ZUrück zum Auto. 1000 Namib-Dollar holen. Illegal (also ohne Stempel) über die Grenze in die Wechselstube. 123 US$ eintauschen. Zurück zum Immigrations. Visum bezahlen, Stempel in den Pass bekommen. Zurück zum AUto. Ab nun geht Andreas auf Reise. Visum und Stempel holen. Auto angemeldet. Road-Tax bzw. Carbon-Toll zahlen. Geht nicht - die nehmen nur Kwatschas. Also erst wechseln, in der Wechselstube. Zurück zur Fähre. Diese bezahlen. DAn sollten wir fertig sein. Ab rüber über die Grenze, um die Typen los zu weden.

AUf dem Weg nach Livingston gibt es nach 2 Kilometern eine Polizeisperre. Papiere kontrollieren. Dabei ist aufgefallen, dass wir keine "Local Insurance" gezahlt haben. Das wäre eine kleine Butze links neben der Grenze gewesen. Somit erkaufen wir uns die Insurance für 270.000 Kwatschas. Das sind dann 100.000 für die Versicherung und 170.000 Strafe (Kurs von ca. 4.500 Kwatschas für 1 US Dollar). Auf dem Weg nach Livingstone passieren wir noch drei weitere Polizeikontrollen - da geht aber alles klar. Das wurde uns auch versprochen.

Die Ausreise aus dem Land ist auch nicht viel besser. Auf dem Weg dahin gibt es wirder vier Kontrollen, bei einer zahlen wir noch einmal 15.000 Kwatschas - also 3 Dollar. Mittlerweile haben wir kein - absolut kein - Kleingeld mehr. Das hat der letzte Kontrollposten wohl auch gesehen, deswegen durften wir bei den anderen durchfahren.

An der Grenze gibt es noch einmal Probleme mit dem Geld-Tauschen, so dass Andreas mal so richtig angenervt ist. Und das dauert. Ich habs zumindest (noch) nicht geschafft... Der arme Typ an der Fähre - der konnte gar nix dafür und hat nix mehr verstanden. Ich hab's ihm erklärt.

Zambia. Das Problem ist, dass es keine Informationen darüber gibt, wie teuer was genau ist. Es gibt an jeder Ecke eine neue Überraschung. Bei jeder Kontrolle wollen sie immer wieder Geld haben. Das ist auch nicht unbedingt das Problem. DIe Beträge in der lokalen Währung sind schon immens - aber was sind schon 3 EUR für eine Kontrolle, für Maut oder sonst was. Das eigentliche Problem ist, dass man immer und überall das Gefühl hat, beschissen zu werden. Und das machet alles unentspannt. Wenn sich das rum spricht (und das wird es), bleiben die Touristen weg - und das ist das letzte, was sie wollen. Immerhin aber auch besser als Zimbabwe, wo man in einer Polizeikontrolle 200 US$ für "falsche Reflektoren am Auto" zahlt (so ein anderer genervter Tourist).

In Summe hat uns Zambia inkl. der Victoria Falls nun 210 US$ gekostet. Und dafür viele Erfahrungen gebracht, die ich auch nicht missen möchte aber auch nicht noch einmal brauche. Und in Summe liegen wir besser im Gegensatz zu einer geführten Tour, die in Summe 150 US$ mehr gekostet hätte.

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Still alive!

Mittwoch, 21. Okt. 2009 - Jawohll, wie leben noch! Anscheinend hat die Telekom keinen Vertrag mit Botswana und Zambia, so dass mein iPhone sich dumm und dämlich sucht und kein Netz findet - bzw. sich nicht einwählen kann! D.h. es gibt weder E-Mail noch SMS noch Telefon.

Nun sitzen wir hier gerade in Zambia in einem Backpacker und haben ein W-LAN gefunden. Super! Ich hoffe, die Berichte hier im Blog sind keine Reizüberflutung - ich dachte mir mal, ich poste alles, wer weiß, wann ich wieder online gehen kann. Viel Spaß beim Lesen!

Überleben

Dienstag - 20. Okt. 2009 - Auf dem Rückweg mit dem Mokoro durch das Schilf frage ich Jungle Oat, was er für den Tag mit uns bekommt. Normalerweise seien dies 150 Pula (ca. 15€). Allerdings ist er heute nur Vertretung für einen Kollegen, mit dem er sich das teilen muss. Er bekommt also 7,50€ für den Tag mit uns. Wahnsinn. Wir geben ihm noch 5€ on Top, die wir gerade dabei haben. Inkl. unserem Steak von gestern zu Mittag und meinem Wasser verdoppeln wir somit seine Entlohnung.

Ich frage mich nun, wo genau die verbleibenden 1050 Pula hinwandern. Gut, der Hinweg zum Village von Jungle Oat mit dem Motorboot, dass eine Stunde dauert, kostet auch. Instandhaltung, Sprit, Personal. Ziehen wir noch einmal 20€ ab dafür, landen wir bei ca. 80€, die "irgendwo" hin laufen.

Ich frage mich, wie eine Person mit 15€ am Tag eine ganze Familie ernähren soll. Es ist schon günstig hier, allerdings soooo günstig auch wieder nicht. Die Einheimischen bauen alles selbst an, ernten, fischen etc. Und wenn mal jemand krank ist? Und laut Aussage von eignen im Camp sind das bereits die Personen, denen es finanziell gut geht.

Wie können die anderen dann bitte überleben?

"The roof is on fire"

Dienstag - 20. Okt. 2009 - Wir starten auf eine kurze Wanderung. Es ist ca. 10.30h und jetzt schon ca. 30 Grad. Ich trinke meine erste 1,5l Flasche aus, um Gewicht zu sparen. Eine zweite Falsche ist ja noch im Rucksack - zusammen mit meinem 2kg Objektiv und und und...

Jungle Oat geht voraus und erklärt uns die "Wetlands" - also eine ausgetrocknete Wasser-Landschaft, die bei sehr viel Regen wieder voll laufen kann. Der strahlendblaue Himmel beruhigt mich, ertrinken werden wir also nicht. Gleichzeitig bin ich froh, dass ich meine Regenjacke auf Anraten des Camp-Ground Personals dabei habe. So hat Andreas zumindest etwas, mit dem er mich aufziehen kann!

Nach ca. 30 Minuten Weg kann ich nun Elefanten-Kot von dem von Zebras und Giraffen unterscheiden. Und Andreas hat gefühlte 150 Termiten-Hügel aufgenommen. Gut, dass wir vorgestern bei einem extra ausgestiegen sind und eine Foto-Session gemacht haben! Dennoch interessant, wie hoch diese Termiten ihre "Häuser" bauen können. Auch interessant, wie viele dieser Bauten bereits Besuch von einem Ameisenbär hatten. Überall riesige Löcher.

Mir wird warm, sehr warm. Ich schaue mich um und habe jegliche Orientieru8ng verloren. Ich weiß weder, wo in etwa wir sind, noch wo das Mokoro liegt. Ich schau Jungle Oat an und frage ihn, wie er sich fühlt. Und ob er wieder zurück findet. Er kann mich beruhigen.

Weitere 45 Minuten später biegen wir in einen kleinen Wald ein. Hier ist es wahrscheinlich, dass ich das Wild versteckt. Unter freiem Himmel sei denen zu warm. "OK", denke ich, "nicht nur dem Wild!" Nach wenigen Metern sehen wir einen Büffel-Schädel. Das noch lebende Tier wurde vor ca. 2 Wochen von einer Löwenherde getötet. Ich schaue mich spontan um, sehe zum Glück keine Löwen und will ein Foto machen. Ich meiner Kamera ist zu warm geworden - sie kann nicht mehr auslösen. Zum Glück machen wir 5 Min. später eine Pause. Dabei verrät Jungle Oat, dass er weder was zu essen noch zu trinken dabei hat...

Andreas fragt, ob wir in der Nähe unseres Mokoro sind. Jungle Oat lacht und meint, "75 Minuten weit weg!" Verdammt! Es geht weiter - zu einem Elefanten. Einem toten Elefanten. Highlight auf dem Rückweg ist der Adler, der direkt über uns seine Kreise dreht. Genial für Fotos!

Der Weg führt uns durch freies, offenes Land. Mein Thermometer zeigt 38 Grad. Heißer Wind bläst uns ins Gesicht. Keine Wolken am Himmel. Heftig. Beim weiteren Weg denke ich immer wieder an die Band "Bloodhound Gang" mit dem Lied "The roof, the roof, the roof is on fire! Burn motherf..., burn!"

Irgendwann kommen wir völlig erschöpft am Mokoro an. Jungle Oat trinkt mein letztes Wasser aus. Das reicht ihm nicht, deswegen holt er sich noch einmal was aus dem Okavango. Super! Warum hat er das nicht schon vorher gemacht. Das Wasser werde ich sicher nicht trinken!

Jungle Oat

Dienstag - 20. Okt. 2009 - Es wird hell im Zelt. Ich werde wach. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es erst 6.13h ist. Trotzdem bin ich ausgeschlafen. Nun schnell fertig machen, dann geht es gleich auf einen Tagestrip ins Okavango-Delta. Eine Tour, die wir gestern spontan gebucht haben, mit der Überschrift "Mokoro Tour". Ich bin gespannt.

Um acht Uhr ist Treffen am Anleger, dann geht es in einer irren Geschwindigkeit mit einem Motorboot in Richtung Buffalo Gate. Dort treffen wir "Jungle Oat", unseren Führer. Seinen richtigen Namen hat er mir auch verraten und 3 Mal buchstabiert, allerdings waren da zu viele "ng" und "mg" Silben drin enthalten, dass ich mich beim besten Willen nicht dran erinnern kann. Sein Kommentar war nur: "Ist OK, deswegen nenn ich mich auch Jungle Oat - den Namen hab ich irgendwo gesehen und fand ihn cool!"

Kurz darauf sitzen wir auch schon in unserem Mokoro. Ein altes Holz Boot. Ein sehr altes Boot - gefühlte 140 Jahre. Darin liegt einiges an Schilf, denn das Boot leckt. Super - ein Seelenverkäufer. Aber Jungle Oat meint, das ist kein Problem. Drei Minuten später fahren wir bereits los. Mitten durch das Schilf und Wassergras des Okavango Deltas. Andreas sitzt vorne und hat scheinbar den besseren Platz. Allerdings bekommt er auch jeden noch so nassen Grashalm ins Gesicht. Auf der Rückfahrt möchte er tauschen - ich bin mir noch nicht so sicher...

Die Fahrt mit dem Mokoro dauert ca. 90 Minuten, in denen uns Jungle Oat mit einem Holz Stab durch das Schilf schiebt. Die Natur ist phänomenal schön. Es ist ruhig. Sehr ruhig. Einzig die Geräusche vom Schilf, die am Boot entlang ratschen sind zu hören. Hunderte von Libellen begleiten uns auf unserer Tour. Wasserlilien hübschen die Wasser"straßen" zugleich auf. Genial.

Nach ca. 90 Minuten erreichen wir dann auch eine Anlege-Stelle mitten im Okavango Delta. Hier gibt's eine kurze Pause, bevor wir dann zu einem "Game Walk" starten. Also einem Spaziergang bzw. besser Ausgedrückt einer Wanderung, auf der Suche nach "Game", also Wild. Es bleibt spannend - denn diesen Teil der Tagestour kannte ich noch nicht.

"Flieger, grüßt mir die Sonne"

Montag, 19. Okt. 2009 - Auf dem Weg nach Maun überlegen wir uns, nun direkt nach Kasane zu fahren. Beste Idee: durch den Chobe Nationalpark - über eine 4WD Strecke. Ggf. können wir ja noch einen Tag im Okavango-Delta verbringen. Bevor wir zu Ende gedacht haben, sind wir schon in Maun. Der Tank frisst mal wieder eine unglaubliche Menge an Sprit - wir sind aber auch unglaublich viel gefahren...

In der Nähe des Flughafens finden wir ein Reisebüro. Die super nette Engländerin gibt uns zahlreiche Tipps für Touren etc. Einziges Problem - die starten alle erst morgen. Was also tun? Wir prüfen unsere Optionen und entscheiden uns dafür, 1-2 Nächte auf der Okavango River Lodge zu bleiben, heute einen Flug zu buchen über das Delta und morgen eine Tages-Boots-Tour, in das Delta.

Punkt 13.30h treffen wir am Flughafen Maun ein. Für nur ganze 90€ pro Person können wir eine ganze Stunde über das Delta fliegen. Anthony und Andreas - Pilot und Co-Pilot begrüßen uns an der Cessna 172. Kurz darauf heben wir bereits ab. Mein erster Flug mit einer solchen Kleinst-Maschine! Der Flug ist genial. Zum einen begeistern mich diese Flugzeuge - ich finde es interessant, dass und wie die fliegen. Zum anderen sehen wir hunderte von Tieren.

Die ersten 10 Minuten bis zum Buffalo-Fence erstreckt sich die ganze Weite Botswanas vor uns. Leider keine Tiere. Kurz hinter diesem Gitter bzw. Zaun sehen wir zahlreiche Herden von Elefanten, Antilopen, Zebras, Hippos, Vögel von oben etc. Traumhaft schöne Erinnerung, an der ich noch lange zehren werde!

Gegen halb vier checken wir am Camp-Ground ein und bereiten unser Auto für die Nacht vor. Diesmal im Hellen!!! Kurz darauf landen die 2,16kg Fleisch auf dem Grill - und wir überfressen uns. 3-4 Finnlandia später können wir wieder atmen, gehen zu Bar, trinken noch zwei Bier und lassen uns davon abbringen, durch den Chobe direkt zu fahren (mehrere sehr kritische Flussdurchquerungen)...

Nun sitze ich hier und freue mich auf morgen, die Boot-Tour im Okavango. Andreas träumt vor sich hin und ich frage mich gerade, wann ich das Tagebuch endlich mal wieder posten kann. Es gibt hier nämlich kein Handy-Netz - mein iPhone ist schon seit Tagen offline! Oh jeee!!!

Verfahren

Montag, 19. Okt. 2009 - Es ist morgens, halb sechs in Botswana. Die Sonne ist kurz vor dem Aufgehen. Ich bin wach. Zu nervös von diesen ganzen Tieren etc. Das nächste Camp suchen wir uns bei Tageslicht!!

Ein Blick in Richtung Süden schockiert mich direkt. Meine Camper, die ich gestern gesehen habe, die mit dem offenen Feuer, das sind gar keine Camper. Das ist eine kleine Mini-Siedlung. Ich fasse es nicht. Wir haben 400m von einer Hauptstraße, fast in Mitten einer Siedlung geschlafen. Toll!! Andreas ist ganz meiner Meinung, "weg hier - und zwar so schnell es geht"

In den zehn Minuten zurück zum Lake Ngami sehen wir etwas 7 von diesen Camps. Toll, warum ist uns das nicht früher aufgefallen! Den Weg zum Lake kennen wir ja nun - und wir sind absolut gespannt auf den Sonnenaufgang und die Tiere am See! Auch, wenn nicht alles so auf den Fotos rüber kommt, es sind hunderte von Vögeln dort. Wahnsinn! Leider sind die schneller weg, also die Kamera auslöst... Der Sonnenaufgang ist phänomenal! Traumhaft! Beim Sortieren unseres Kofferraums werden wir von einem Einheimischen "Buddy" auf einem Esel angesprochen (der wollte bestimmt Geld) und sind der Meinung, nun genug sortiert zu haben.

Wir fahren zurück auf die Straße und immer gen Norden. So dachten wir. Irgendwann kommen wir in Toteng an. Das dort, in das ich schon immer mal hin wollte (in find den Namen irgendwie einfallsreich). Gut - ich wollte da immer mal hin - leider liegt Toteng deutlich östlich von Sehithwa - und wir wollen in Richtung Norden.

Mist - verfahren!!! Kurzer Hand entscheiden wir, weiter auf dieser Straße zu bleiben und nach Maun zu fahren - der "Hauptstadt" des Okavango Deltas...

Unter freiem Himmel

Sonntag - 18. Okt. 2009 - Die Entscheidung ist gefallen - wir sind vom Lake Ngami weg gefahren. Mittlerweile ist die Sonne untergegangen und es ist dunkel. Super! Also suchen wir einen Platz zum Schlafen - mitten in einem alten, vertrockneten See. Gut, dass es heute erst geregnet hat... Wie auch immer, wir haben nicht die Wahl, denn Camp-Grounds gibt es hier nicht!

Also fahren wir ca. 10 Minuten in Richtung Norden und biegen dann irgendwann links ab - mitten in den alten, vertrockneten See. Wir überfahren einen "Zaun" auf Baumstämmen, in dem seeehr viele Löcher sind. Dann verlieren wir anscheinend leicht die Orientierung, denn wir wollen im 90 Grad Winkel soweit ab von der Straße wie möglich. Leider stellen wir nach kurzer Zeit fest, dass wir einen großen Teil der "Querfeldein-Strecke" fast parallel zur Straße gefahren sind. Zwischen uns und der Straße sind nur ca. 400m.

Wir bauen unser Camp auf. Ich sorge dafür, dass wir so wenig Licht wie möglich produzieren. Andreas sorgt für Licht. Irgendwie werde ich nervös. Denn überall hört man Kühe und anderes Zeugs. In weiter ferne sehe ich auch ein offene Feuer und bin fest davon überzeugt, dass wir nicht alleine sind und irgendwelche anderen Camper die gleiche Idee hatten.

Das Fleisch vom Grill schmeckt prima. Zum Glück haben wir es über den Kontroll-Punkt bringen können, der auf Maul- und Klauen-Seuche alle Fahrzeuge prüft. Danke für den Tipp - Bennie!

Irgendwann gehen wir zu Bett. Andreas schläft ein - ich nicht. Dann doch. Und dann werde ich wach von wilden Kühen. Dann schlafe ich wieder. Dann gibt's andere Geräusche... Verdammt unruhige Nacht...

Der Weg ist das Ziel

Sonntag - 18. Okt. 2009 - Mit frisch gebackener Reiseroute sitzen wir nun also unseren Dritten Tag im Auto und sind unterwegs gen Osten - nach Botwsana. Dort wollen wir in Ghanzi gen Norden stechen, westlich am Okavango-Delta vorbei und über den Caprivi-Streifen nach Livingstone - zu den Vic Falls.

Insgesamt eine sehr lange Route - mit ein paar Highlights. Bennies Eindruck: "machbar... (wenn auch viel Autofahrerei)". Heute sollen wir quer durch Botswana fahren und bereits Abends an der Grenze zu Namibia sein. Das sind 1.000 Kilometer. Ich bin mir jetzt schon sicher, dass das nicht passen wird. Also suchen wir nach einem Zwischenstopp, der sich realistisch anhört - und zwar so realistisch, dass wir unser Zelt noch im Hellen aufbauen können.

Unser Zwischenstopp soll sein: Lake Ngami bei Sehithwa. Das Navi sagt uns eine komische Differenz zwischen Kilometer und Fahrtzeit an. Anscheinend soll es später nur langsam voraus gehen - allerdings zeigen unsere anderen Karten etwas anderes... Gegen 17.30h kommen wir also am Lake Ngami an und stellen fest, dass der Lake eigentlich gar nicht so groß ist, wie er auf der Karte dargestellt wird.

Wir suchen den See und fahren Querfeld ein. Nach einigen Kilometern - Andreas warnt schon die ganze Zeit vor Wasser - und ich versichere ihm, dass ich anhalte, sobald es feucht wird - finden wir dann endlich den See! Absolut idyllisch! Wir beschließen, hier direkt zu Campen. Allerdings kommen hier im 5 Minuten Takt Autos her, von denen wir uns nicht vorstellen können, was die hier wollen.

Wir parken unseren Camper irgendwo hinter einem Baum und Gestrüpp. Dann kommt auch schon ein dritter Wagen. Wir haben beide ein mulmiges Gefühl und packen schließlich unsere Stühle und den Grill wieder ein - und fahren zurück.

Johann Strauß (a.k.a. Straußi)

Sonntag - 18. Okt. 2009 - Ausschlafen! Ausschlafen! Ausschlafen! Das ist meine Devise heute morgen. Um 8h werde ich endlich wach und bin fit und munter. Gleich zu Beginn des Tages begrüßen mich Benni und Marianna mit einem großen Frühstück und einer seeeehr leckeren Tasse Kaffee.

Direkt darauf besichtigen wir "Johann Strauß". Also, deren Strauß. Allerdings haben die beiden irgendwann festgestellt, dass der Strauß eher weiblich als männlich ist, deswegen nennen sie ihn jetzt "Staußi". Ich wär ja zu "Johanna Strauß" übergegangen, aber was solls.

Im laufe der nächsten Stunden erfahren wir noch sehr viel von den Plänen der beiden. Beispielsweise haben sie sich einen alten Eisenbahn-Wagon gekauft, in welchem sie nun direkt in Nähe des Flughafens am Trans-Kalahari-Highway ein Restaurant eröffnen möchten. Dazu noch ein paar Camp-Grounds, Verkauf von selbstgemachter Marmelade, vom eigenen Bier, etc.

Insgesamt ist dies ein sehr schöner Zwischenstopp - und mir fällt es schwer, mich nun wieder ins Auto zu setzten und weiter zu fahren.