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Freitag, 13. November 2009

"Net lang schnacken..."

Freitag, 06. Nov. 2009 - Die letzten beiden Abende waren schneller vorbei, als uns lieb war. Wir haben es nicht einmal geschafft, unseren Finlandia Vodka zu leeren. Gut, sooo viel ist auch nicht übrig geblieben, allerdings wollen wir das gute Zeugs ja auch nicht weg schmeißen. Und dem Taxi-Fahrer das in die Hand zu drücken, können wir nicht verantworten.

Also sitzen wir gerade auf dem Flughafen. Wir haben die einzigen Bänke gefunden, die noch vor der Security sind, und suchen nach Gläsern. Da wir keine finden, zweckentfremden wir den Verschluss zu einem Pinneken. Frei nach dem Motto: “Net lang schnacken, Kopp in'n Nacken” machen wir uns an die Arbeit...

Nach dem vierten lehnen wir uns zurück und beobachten die Leute. Dabei stellen wir fest, dass die eher uns beobachten. Klar - vermutlich denken die, wir hätten die Flasche gerade fast leer getrunken. Teilweise ernten wir viele respektvolle Blicke, leider auch bemitleidenswerte...

Somit beschließen wir, dem Spiel ein Ende zu bereiten. Nach dem 12 Gläschen ist die Flasche dann leer und wir torkeln in Richtung Security, die uns anstandslos durchwinkt. Einzig meine 1,5l Flasche Wasser landet im Müll...

Und das ist nicht nur das Ende meiner Wasser-Falsche bzw. unseres Vodkas, sondern auch das Ende eines sehr genialen Urlaubs...

Das Parlament

Freitag, 06. Nov. 2009 - "Unverhofft kommt oft", denke ich und freue mich, Bekanntschaft mit Simon und Simon gemacht zu haben. Die beiden führen uns durch alle wesentlichen Räume des Südafrikanischen Landes. Im Plenarsaal werden momentan keine Sitzungen abgehalten - wir dürfen also rein. Anschließend geht es in den alten Saal, der allerdings geschlossen wurde, weil dort jemand mit einer Messer-Attacke ermordet wurde und das Blut noch ewig im Teppich sichtbar war.

Auf dem Weg zu den Sitzungssälen der Länder treffen wir noch die Rechte Hand des Außenministers. Er kennt Simon und Simon, spricht irgendwas mit den beiden und begrüßt uns dann in einem fließenden Deutsch. Er heißt uns herzlich willkommen in seinem Land und hofft, dass wir unseren Urlaub genießen. Nach einem kurzen Plausch entschuldigt er sich, er müsse leider weiter. Das Beeindruckende: die Simons erklären, dass der Herr elf Sprachen mindestens genau so fließend spricht, wie Deutsch. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus...

In der Küche wird Andreas von den 8 Bediensteten Mädels fast verhaftet. Während ich mir bereits die Bilder und Gemälde von Nelson Mandela ansehe, höre ich seine Kamera pausenlos klicken. Er musste glaube ich mit oder von jeder ein Foto machen. Auf dem Rückweg müssen wir noch einmal durch die Küche - dabei bekomm ich direkt ein Heiratsangebot. Ich bin froh, die Höhle des Löwen unbeschadet wieder verlassen uns haben...

Wieder draußen verabschieden und bedanken wir uns noch 1.000 Mal bei Simon und Simon. Sie geben uns noch einen finalen Ratschlag - wir sollen doch einen anderen Weg zu unserem Hotel wählen als durch den Park... Wir folgen diesem Rat und sitzen eine gute Stunde später auch schon im Taxi zum Flughafen...

Wie wir in das Parlament gekommen sind

Freitag, 06. Nov. 2009 - Wir sitzen also im Park, umgeben von ca. 3-4 offensichtlichen Dieben und vermutlich 20 weiteren. Was in Maun die Mücken waren, sind hier somit die Diebe. Neben uns auf der Parkbank sitzen zwei Gentleman mit einem sehr gebrochenen Englisch. Der eine trägt einen Anzug ohne Jackett, der andere ein Hemd mit Trainingshose. Beide mit einer Batch um den Hals, auf der steht, dass sie für das Parlament arbeiten. Sie stellen sich nicht mit Namen vor, deswegen nenne ich sie jetzt einfach mal "Simon & Simon".

Auch die beiden bemerken den Schwarm an Dieben und klären uns auf, wie die vorgehen. Anscheinend erregen wir genug Mitleid, so dass sie uns in ein längeres Gespräch verwickeln. Mittlerweile habe ich die Befürchtung, dass die beiden dazu gehören und uns einfach ablenken. Sie erklären uns, dass wir das Parlament auch besichtigen können. Das nehmen wir zum Anlass, uns zu bedanken und auf den Weg zu machen. Irgendwie hat so eine Parlaments-Besichtigung nun auch unser Interesse geweckt. Da eben jenes auch keine 30m von uns entfernt ist und nur ein Zaun uns trennt, beschließen wir, uns auf den Weg zu machen, dort hinein zu kommen.

Leider scheitern wir bereits am ersten Wachposten. Der erklärt uns, dass wir hier nicht weiter kommen und doch lieber den Touristen-Eingang wählen sollten... Wir drehen uns um und sehen "Simon & Simon", die mit ihrem Ausweis wedeln und meinen, wir sollen denen folgen. Sie würden uns den Weg zeigen... "Is klar", denken wir und folgen trotzdem. Als wir dann in kleine Gassen abbiegen, schnalle mich meinen Rucksack fester und ärgere mich, dass ich mein Messer nicht dabei hab. Die Gassen werden enger...

Am ende der einen Gasse sehen wir dann ein großes Gebäude. Viele Business-Menschen komme daraus. Die Simon's werden sogar von einigen gegrüßt. "Sicherheit", denke ich. "Oder auch falsche Sicherheit", überlege ich mir weiter. Die vielen Menschen beruhigen allerdings. Wir biegen ab, um das große Gebäude herum und hinein. Dabei begrüßt uns ein sehr freundliches Sicherheits-Personal, das uns bittet, unsere Rucksäcke auf ein Röntgengerät zu legen. Anschließend werden unsere Ausweise kontrolliert und wir bekommen einen "Permit", dass wir in das Parlament rein dürfen. "Puhh, Glück gehabt - mal nicht in Menschen getäuscht", denke ich und ärgere mich irgendwie, dass ich mittlerweile grundsätzlich vom Bösen im Menschen ausgehe... Eine weitere Sicherheit-Schleuse überwinden wir noch und dann steht uns der Weg frei zur Eroberung des Parlaments...

Chillen in Kapstadt

Freitag, 06. Nov. 2009 - Es ist so weit: Tag des Abflugs... Mein Wecker klingelt früh morgens. Unser Plan ist es, schnell zu packen und dann auf die Gefängnis-Insel Robben Island zu fahren bzw. alternativ auf den Tafelberg hinauf. Es dauert keine 3 Sekunden, da steht unsere neue Planung: wir lassen Nelson Mandela einfach Nelson Mandela sein - streichen somit unsere gedachte Robben Island Tour und lassen den Tag entspannt angehen. Nach dem Packen, beim auschecken erfahren wir dann, dass auch die Seilbahn zum Tafelberg nicht fährt. Wir verstehen die Welt nicht mehr, denn es ist sonnig und kaum windig - sind aber auch froh, dass uns alle Entscheidungen abgenommen wurden.

Somit machen wir uns wieder einmal auf den Weg in die Stadt - auf der Suche nach einem Café. Heute finden wir das Espana, frühstücken und machen uns auf den Weiterweg in den Park beim Parlament. Dort lassen wir ein wenig die Zeit verstreichen und schreiben einige Postkarten. Wir genießen die Zeit und "chillen" ein wenig...

Dabei werden wir von vielen Dieben besucht, die uns nach und nach ausspionieren. Einer geht gaaaanz langsam an uns vorbei, um sich die Kameras näher anzusehen. Ein anderer "stolpert" hinter Andreas her, damit er besser in seinen Rucksack schauen kann. Ein dritter rattert mit einer Rassel, um uns wahrscheinlich als Opfer zu markieren. Alles nicht schön - und das schlimme - gefühlte 38 Polizisten im Umkreis von 500m, die alle nichts tun (können), weil ja noch nix passiert ist. Ich meine, das Schlimme ist, dass den Dieben das anscheinend völlig egal ist, dass dort die Polizei so präsent ist...

Dienstag, 10. November 2009

Ausnüchtern mit Bier im "Goldenen Afrika"

Donnerstag, 05. Nov. 2009 - Nach den Erlebnissen in einer vorstellbar eher unsicheren Gegend gehen wir zielstrebig auf den ersten Marktplatz zu, an dem wir gestern schon eine Bar gesehen haben mit Happy-Hour für Cocktails bis 18.00h. Es ist 17.45h und wir bestellen uns einen ersten Cocktail. 14,5 Minuten später geht die zweite Bestellung raus. Beim trinken stellen wir fest, dass wir heute eigentlich - von dem einen Sandwich heute morgen abgesehen - noch nichts gegessen haben. Und bis zum Restaurant "Golden Afrika" mit "All you can eat" müssen wir noch eine halbe Stunde rum kriegen. Wir trinken also langsamer...

Wow, der Weg von dem Marktplatz zum Restaurant macht echt Spaß. Die Cocktail-Mischung reagiert anscheinend chemisch mit dem Sauerstoff in den Straßen. Die Leute sehen alle viel netter aus und geben dem Fußweg eine ganz andere Note... Im "Golden Afrika" angekommen sehen wir die ganzen Touristen bei einer "Trommel-Show" mitmachen. Wir haben es also in der Tat geschafft, alles so richtig zu timen, dass wir da nicht mitmachen müssen (kostet auch 100 Rand extra pro Person). Zur Ausnüchterung bestellen wir uns erst einmal ein Bier.

Die Bedienung erklärt uns nun die Karte. Wir sind davon ausgegangen, dass wir an einem Buffet alles probieren können. Allerdings Fehlanzeige. Wir bekommen ein 13-Gänge-Menü serviert - einfach alles, was auf der Karte steht. Bestellen müssen wir nicht - es geht einfach direkt los mit den ersten zwei Gängen. Das tolle dabei ist, uns sind alle Entscheidungen genommen, wir dürfen alle original afrikanischen Gerichte von oben bis unten durchprobieren. Einzig beim Wein (auf den wir mittlerweile umgeschwenkt sind) müssen wir uns entscheiden. Andreas hat auch dazu keine Lust und bestellt einfach "den ersten auf der Karte" und erntet sehr komische Blicke der Bedienung. Er erklärt ihr sein geniales Ziel, einfach alle durch zu probieren und jetzt mit dem ersten zu starten. Super Idee - zum Glück sind das ja nur 6 Sorten...

Zwischen den Gängen gibt es immer mal wieder eine Show-Einlage. D.h. eine Sängerin singt vor sich hin, Trommler sorgen für Stimmung, zwei Kämpfer zeigen einen Show-Kampf etc. Zum Schluss dürfen noch alle Bedienungen tanzen und singen. Das Ende unseres Abends besiegelt dann der letzte Wein. Wir bestellen ein Taxi, lassen uns ins Hotel fahren (sollen 31 Rand zahlen, geben 30 und das ist OK?!?) und fallen ins Bett...

Alternativ-Programm "Signal-Hill"

Donnerstag, 05. Nov. 2009 - Die Aussicht von dem Weg auf die Stadt ist phänomenal. Alle paar hundert Meter ein neuer Winkel, neue interessante Pflanzen, Feuerlöscher aus Holz, etc. In der Tat dauert es ca. 55 Minuten, bis wir es vom Fuße des Tafelbergs bis auf den Signal-Hill schaffen. Von dort aus können wir auf Robben Island blicken - ggf. unser Ziel für morgen. Hier müssen wir allerdings eine Tour buchen, die ggf. den Zeitplan sprengen wird. Mal schauen!

Auf dem Rückweg bleiben wir unserem Motto treu: "Keine Strecke zweimal!" Während der ganzen Reise haben wir es geschafft, so gut wie keine Strecke, die wir hin-gefahren sind, auch wieder zurück zu fahren. Natürlich gibt es wenige Ausnahmen wie Lüderitz oder Sossusvlei, was allerdings auch Stichstraßen sind. Wir folgen einem Feldweg, der uns steil abwärts durch ein kleines Waldstück führt. Auf halben Weg fragen wir uns, was eigentlich passiert, wenn wir auf einmal vor einem Zaun stehen. Oder wo wir eigentlich heraus kommen werden?!? Gut, dass uns solche Sachen immer erst dann einfallen, wenn wir ohnehin keine Wahl mehr haben - denn rauf gehe ich diesen Berg nicht noch einmal...

Nach weiteren 20 Minuten stehen wir dann wirklich vor einem Zaun. Einem hohen Zaun. Zum Glück sehen wir auch eine Fährte, die uns entlang dem Zaun irgendwann auf eine asphaltierte Straße führt. Glück gehabt! Wir werden von 3-5 Jugendlichen in einem heruntergekommenen Auto empfangen, können diese jedoch ignorieren, ohne dass sie uns hinterherfahren etc. Am Fuße des Berges ist dann auch die "Lions-Battery", diejenige Kanone, die um Punkt 12.00h Mittags einen Schuss los lässt. Danach kann man sich wohl die Uhr stellen - so unser Ex-Taxi-Fahrer. Daher hat der Berg auch den Namen: "Signal Hill"

Der weitere Weg in die Stadt bereichert uns ebenfalls an Erfahrung. Wir wissen nun, dass schwer-erziehbare Kinder im "Education-Programm" hinter einer großen, hohen, dicken Mauer festgehalten werden, die nach oben mit Armee-Draht abgesichert ist. Zielstrebig laufen wir also auf die Mauer zu und sind froh, davon wieder Abstand nehmen zu können, als wir sehen, was sich dahinter befindet. Etwas weiter sehen wir dann Wohnhäuser. Alle mit einer Mauer ums Grundstück. Teilweise können wir die Fenster erkennen. Alle mit einem engen Gitter davor, die Gitter jeweils mit Armee-Draht zugestopft. So langsam fragen wir uns, was das hier wohl für eine Gegend ist und sind froh, dass es erst in zwei Stunden dunkel wird.

Es knallt. Wir beschleunigen unseren ohnehin schon flotten Schritt. Beide sind wir der Meinung, dass dies eine Platzpatrone ist. Wir diskutieren. Dabei stellen wir fest, dass wir beide eigentlich keinen blassen Schimmer haben, wie eine richtige Pistole klingt. 4-5 jährige spielende Kinder am Straßenrand beruhigen unser Gemüt wieder ein wenig. Als wir sehen, dass die Kinder mit China-Böllern Flaschen in die Luft sprengen, sind wir fast froh. Die Frage, was die Jugendlichen eigentlich machen, wenn die Kinder schon Flaschen in die Luft sprengen verkneife ich mir einfach und bin froh, als ich die Long Street sehen kann...

Die Tafelberg-Situation

Donnerstag, 05. Nov. 2009 - Der Taxifahrer bringt uns hoch zur Talstation. Diese liegt auf ca. 350 Höhenmeter. Die Sicht ist prima und der Wind hat sich deutlich gelegt. Dennoch ist die Seilbahn geschlossen. "Die achten seeehr auf Sicherheit", so die Aussage unseres Taxi-Fahrers. Ich bin mir sicher, er wusste bereits unten in der Stadt, dass die Seilbahn nicht fährt. Egal, er gibt uns noch 2-3 Tipps, wo er uns sonst noch hinbringen könnte. Wir bedanken uns und steigen aus.

Wir fragen uns, wann die Seilbahn denn mal fährt. Natürlich haben wir Verständnis dafür, dass wir nicht fahren dürfen, wenn es 3-4 Windstärken hat oder die Bergstation in einer dicken Wolke verschwindet. Nichts von dem ist allerdings eingetroffen. Missmutig akzeptieren wir dies, folgen dem Rat des Taxi-Fahrers und starten unsere Wanderung zu "Signal-Hill". Eine Erhebung oberhalb von Kapstadt, die in einem Fußmarsch von geschätzten 60 Minuten zu erreichen ist. Der Bergführer an der Seilbahn spricht zwar von ca. 15-20 Minuten, das können wir uns aber nicht vorstellen.

Die Geschichte Kapstadts

Donnerstag, 05. Nov. 2009 - Der Historic Walk ist durchaus interessant. Auch, wenn Andreas uns irgendwelche Gassen und Stichstraßen hinein führt, dann sagt "Hier soll was sein, ist aber uninteressant" und wir wieder zurück gehen, sehen wir sehr viel von der Stadt. Vor allem beeindruckt uns der Mix zwischen Holländischen Straßennamen, englischen Gebäuden und neuen, hochmodernen Hochhäusern...

In einem kleinen Restaurant machen wir eine Pause und planen weiter. Erst zum "Fort of Good Hope" - als dem alten Fort in Kapstadt und dann hoch auf den Tafelberg. Das Fort ist ziemlich beeindruckend. Wir gehen als erstes in das "Military Museum" und stellen fest, dass wir eigentlich gar nix von der Geschichte Kapstadts wissen. Also setzen wir uns beide draußen auf die Wiese und lesen, und lesen. Schon interessant, wenn man dann noch einmal Revue passieren lässt, was wir gerade im Museum gesehen haben.

Zuerst Hr. Dias, der um das Kap gesegelt ist. Dann die Holländer mit einer kleinen Anlaufstelle für die Handelsschiffe, ohne die Absicht, das Land zu besetzen. Danach die Eroberung durch die Briten... Zwischendurch Entsendung von einheimischen ins Landes-Innere. Dann fast Gesichtsverlust Kapstadts durch Entdeckung von Gold in Johannesburg. Bei gleichzeitiger Eröffnung des Suez-Kanals verliert Kapstadt fast an Relevanz. Zum Glück werden im jetzigen Namibia Diamanten entdeckt und Kapstadt bleibt ein wichtiger Hafen... Anschließend die Apartheit, dann Nelson Mandela, irgendwann die Splittung von Südwest-Afrika in zwei Staaten...

Wir sind beeindruckt, verlassen irgendwann das Fort und machen uns auf den Weg in Richtung Tafelberg...

Freitag, 6. November 2009

Gut, dass ich meine Regenjacke mit habe...

Donnerstag, 05. Nov. 2009 - Unser letzter voller Tag bricht an. Es ist 7h, wir sind beide hellwach (falsch, das "hell" bitte streichen) und merken noch leichte Auswirkungen der drei Cocktails. Wir stehen auf und schleppen uns in die Stadt - auf der Suche nach einem Frühstück.

Kurz, nachdem wir los gegangen sind, fängt es an zu regnen. Irgendwie haben wir Pech mit Kapstadt. Bei Ankunft und bei Abflug in Kapstadt regen. Dabei soll es heute doch schön werden?!? Wir gestehen uns allerdings ein, dass wir insgesamt mit dem Wetter seeeehr viel Glück gehabt haben. Unterwegs haben wir einige Leute getroffen, die uns von Regen erzählt haben. Tagelange Schauer. Davon haben wir nix mitbekommen. Zu der Zeit, als wir in Botswana waren, schien dort die Sonne und es hat in Namibia geregnet. Und anders herum.

Andreas hat mich die ganze Zeit damit aufgezogen, dass doch sehr froh sein sollte, meine Regenjacke mit zu haben. Nun bin ich sehr, sehr froh, dass ich diese an habe und Andreas nass wird. Wie heißt es doch so schön: "Schadenfreude..." :-)

Dummerweise kann ich bei dem Gang durch den Regen nicht ganz ignorieren, dass meine sehr dünne Sommerhose bereits komplett durchnässt ist und an den Waden klebt... In einer kleinen Gasse werden wir dann endlich fündig. "Table 13" heißt das Restaurant und bietet genialen Cappuccino und ein seeehr leckeres Sandwich. Wir planen die weiteren Stationen des Tages und entscheiden uns als erstes für den "Historic Walk" aus dem Lonely Planet - also einem Spaziergang durch die historischen Gegenden Kapstadts.

Ich bin sehr froh, als ich feststelle, dass es nicht mehr regnet und ich meine Regenjacke nun endlich wieder an den richtigen Ort packen kann - IN meinen Rucksack!

Wofür ich die letzten drei Wochen trainiert habe

Mittwoch, 04. Nov. 2009 - Der Taxi-Fahrer hat uns vorhin auf direktem Wege von Brackenfell zum Hotel gefahren. Die Seilbahn auf Table Mountain ist heute nicht gelaufen (zu viel Wind und keine Sicht). Gut, dass wir selbst vorher im Hotel waren und unser Gepäck dort hingebracht haben...

Von dort aus - nach einer kleinen Erfrischung - starten wir in die Stadt. Janina und Tobias, die wir vor drei Wochen trafen, haben wir die Empfehlung, uns die "Long Street" anzusehen. Diese besteht aus hunderten kleinen und mittleren Geschäften, Restaurants, Bars und Backpackern. Und das tolle dabei - komplett gemischt. Von einem gefühlten "snobbigen" Gesellschaft bis hin zu Läden, in die wir uns selbst nach drei Wochen Camping eher weniger rein trauen.

Wir finden das Nyomis, ein rein Afrikanisches Restaurant der eher höheren Preisklasse. Preise also analog zu Deutschland bzw. leicht darunter. Die Karte sieht prima aus und wir entscheiden uns für Schnecken als Vorspeise und einem "Wild"-Mix als Hauptgang. Ich muss zugeben. das aller schlimmste beim Schnecken-Essen ist die Vorstellung, dass man Schnecken isst. Das ist auch mein erstes Mal und ich habe mir einfach "Muscheln" oder so was vorgestellt und muss sagen, ich bin begeistert. Leider werde ich den Knoblauch-Geschmack sicherlich noch die nächsten 4 Tage mit mir rum schleppen - bin aber zugleich froh, dass Andreas und ich uns für das gleiche entschieden haben...

Der Hauptgang mit Springbock, Strauß und Kudu ist sehr lecker und zugleich irgendwie enttäuschend. Auf der Karte vorhin sah dies viel leckerer aus. Vom Geschmack her sind die drei unterschiedlichen Sorten sehr nahe beieinander. Lediglich das Kudu können wir klar identifizieren. Wir trinken noch 2-3 weitere Bier und ziehen dann weiter, auf der Such nach einer netten Bar...

.... und werden fündig. Ein Barmann zeigt uns das Schwester-Restaurant. Ein kurdisches Restaurant - mit Sitzen auf dem Boden. Gut, wir wollen ja nichts mehr essen, nur noch den ein oder anderen Cocktail trinken. Mojito, Shisha und Musik sorgen für einen entspannenden Abend. Bis die Musik lauter wird... Und eine Bauchtänzerin auftaucht, die uns einen vortanzt. Wir können unsere Begeisterung gerade so im Zaum halten. Als sie dann die ersten Mädels in der Bar zum mittanzen auffordern sind wir heil froh, doch noch eine kleine Speise bestellt zu haben. Wir essen laaaaangsaaaahhhhhm, gaaaaahhhhhnz laaaannnnngsahhhhmm... Dummerweise tanzt die Dame sooo lange, dass sich unser Essen und die Cocktails zu Ende neigen. Erst wird der Typ neben uns aufgefordert und verneint. Prima. Dann Andreas. Auch der verneint. Zum Schluss darf ich mich entscheiden, mit ihr zu tanzen und unsere Ehre zu retten oder als Feigling in die Geschichte einzugehen.

Heldenhaft stehe ich auch und stürze mich auf die Tanzfläche. Die Dame macht irgendwelche wilden Bewegungen, die ich gerade noch so nachvollziehen kann. "Bauchtanz", denke ich. Zum Glück habe ich an meinem Bauch die letzten drei Woche sehr hart gearbeitet und einiges investiert...

Glücklicherweise stelle ich recht zeitnah fest, dass das bei mir mit den Bauchtanz-Bewegungen nix wird und entscheide mich, einfach mit der Dame zu tanzen. Ich nenne es mal "Freestyle". Eine Kombination aus Salsa, Foxtrott und Walzer. Als ich registriere, wie die Menge um mich herum klatscht, intensiviere ich meine Bewegungen, bis ich keine Luft mehr bekomme. Ich bedanke mich bei der Dame und knalle sehr zufrieden zurück auf den Boden. Die Aussage unseres Nachbarn, ich hätte mich bewegt "like a duck in the water" übersetzte ich mit "wie eine Ente im Wasser" und deute es mal als Kompliment…

10.293km mit unserem Bush-Baby

Mittwoch, 04. Nov. 2009 - Es ist 14.30h. Die Abgabe unseres Autos soll genau jetzt erfolgen. Leider stehen wir irgendwo an der Waterfront in Kapstadt im Stau. Zicki (unser Navi) sagt uns "Rechts abbiegen - Reeeeeechts - Loooohhhhss - Sofort!!!". Dummerweise ist rechts ein riesiger Bauzaun - und das wollen wir unserem Bush-Baby nicht mehr antun... Unser Zwischen-Ziel: das Hotel "Breakwater Lodge" - um unser Gepäck abzugeben. Danach soll es laut Navi nur noch 13 Minuten dauern bis zu Maui.

Irgendwann schaffen wir es und finden den Weg zu unserem Hotel. Dabei ver"arschen" wir Zicki und fahren einfach anders. Wir kennen uns ja bereits aus - und das klappt auch... Um zehn vor drei rufen wir dann bei Maui an, dass wir uns wohl ein wenig verspäten, da der Verkehr nervenraubend ist. Als "John" erfährt, wo wir sind, meint er, wir brauchen keine 13, eher 90 Minuten. Der Verkehr sei schrecklich. Ja, vielen Dank für dieee Info. Verdammt.

Irgendwie schaffen wir es trotzdem in ca. 20 Minuten nach Brakenfell. Diesmal sogar direkt in die korrekte Straße. Alles kein Problem. Die Übergabe geht auch verdammt schnell. Alle sind bereits in Feierabend-Laune und fragen uns, ob irgendwas mit dem Auto passiert sei. Wir erwähnen den kleinen Kratzer in der Frontscheibe, der uns bereits seit drei Wochen begleitet. Und den einen platten Reifen.

"Uncle MC" - der Mechaniker - staunt nicht schlecht, als er als erstes den toten Vogel im Kühler entdeckt. Wir haben anscheinend vergessen, diesen zu entfernen. Als er dann die Motorhaube öffnet, muss er nur noch lachen. Mir ist vor einigen Tagen bereits auch schon aufgefallen, dass die Innereien eher hell-grau-schlammig gefärbt sind. Ursprünglich waren die mehr oder weniger schwarz. Alle weiteren Fragen von Uncle MC sind dann geklärt, als der den Tages-Kilometerstand "B" sich anschaut. Er fragt uns, warum der nur 293km anzeigt. Unsere klare Antwort: "Is doch logisch, bei 9999,9km ist der auf 0 gesprungen!"

"Alles wird gut!"

Mittwoch, 04. Nov. 2009 - Gestern haben wir es in der Tat noch geschafft, im Hellen auf die Cape Peninsula zu fahren, um auf dem Imhoff Camp Ground am Atlantik unsere Zelte auf zu schlagen. Und nun noch schnell das Auto "Klar-Schiff" gemacht (heute ist Abgabe) und der Tag startet mit dem Motto: "Alles wird gut!"

Genau - unser Plan ist das Kap der Guten Hoffnung. Wir fahren die 33km lange Küstenstraße gen Süden, zum "Süd-westlichsten" Punkt in Afrika. Der Nationalpark ist wunderschön - wir steuern einen ersten Rastplatz an und genießen die Aussicht auf die Brandung. Ganz nebenbei sehen wir 3 verschiedene Eidechsen-Arten. Von Schwarz bis Feuerrot - wunderschön!

Wir fahren hoch zum Leuchtturm und blicken von oben auf das Kap der guten Hoffnung. Anschließend geht's weiter zum Kap selbst. Ca. 300 Höhenmeter fahren wir runter, direkt zur Küste. Beim Einparken in die Parklücke werden wir von einer Reiseleiterin in den Parkplatz eingewiesen. Ihr Gesicht werde ich sooo schnell nicht vergessen. Sie schaute seeehr wiederwertig auf unseren Kühler. Beim Aussteigen sagte sie in der gleichen wiederwertigen Stimmlage, "You have deeeeaaaad biiiiird sticking in your car". Aha, wir haben also einen toten Vogel vorne im Kühler hängen... Unglaublich - das war der eine mit dem "Darwin Award".

Am Cape unten genießen wir die Zeit, die Brandung und die Leute. Nach kurzem Aufenthalt geht es auch schon weiter - um 14.30h ist Abgabe des Autos...

"Placebo besoffen" am südlichsten Punkt Afrikas

Dienstag, 03. Nov. 2009 - "Küstenstraße" war zuviel versprochen. Diese endet lauf Detailkarten und Navi nämlich direkt hinter Witsand. Also sind wir wieder ins landesinnere gefahren, um von dort aus eine andere Stichstraße in Richtung Agulhas zu nehmen. So konnte Bush-Baby auch ein letztes Mal unter unserer Führung die Schotterpisten genießen...

Cape Agulhas - der südlichste Punkt in Afrika. Eigentlich nur ein kleiner Punkt auf der Landkarte und irgendwie auch nur eine Steinmarkierung in der Landschaft - aber irgendwie auch ein bewegender Moment. Ab jetzt geht es zurück. Ab in Richtung Norden!

Wir genießen diesen Moment und begießen ihn mit ... "Tonic"! Bier und Wein und Gin sind mittlerweile aufgebraucht (und wären ohnehin keine Option gewesen, da wir noch weiter fahren möchten). Somit trinken wir das pure Tonic Water und fühlen uns nach der ersten Dose so, als hätten wir uns gerade besoffen. Normalerweise haben wir das immer mit etwas Gin (bzw. auch etwas mehr Gin) getrunken. Und das, was gerade bei uns einsetzt, titulieren wir mit dem Begriff "Placebo besoffen" - denn Alkohol haben wir definitiv nicht getrunken...

Ich habe noch eine Idee für ein Sebst-Portrait von uns beiden. Dann setzen wir uns wieder ins Auto und machen uns auf den Weg in Richtung Cape Town - bzw. auf die dahinter gelegende Halbinsel.

Donnerstag, 5. November 2009

2,5 Tonnen Zucker in Heidelberg

Dienstag, 03. Nov. 2009 - "Heidelberg" sagt ein Schild an der Autobahn. Bevor ich Andreas vorschlagen kann, dass wir dort hinfahren, bremst er schon ab und hat den Blinker gesetzt. Wir folgen einem Schild "Coffee Shop" und finden diesen auf direkt an der nächsten Kreuzung. Der sieht sehr idyllisch aus uns zieht uns direkt an.

Eigentlich haben wir beide noch gar keinen Hunger. Die Besitzerin ist super nett und hat auch Spaß an der Arbeit. Irgendwie bestellen wir dann doch eine Mint-Tarte - also einen leichten Minze-Kuchen (so unsere Vorstellung) - und dazu einen Mocca-Chocolate-Kaffee. Es dauert keine 5 Minuten, da kommt die Beitzerin mit einer Angestellten vorbei. Die Angestellte (natürlich "coloured" - also gefärbt) trägt das Tablett - die Besitzerin nimmt dann den Kuchen vom Tablett und stellt ihn bei uns auf den Tisch. Irgendwie kommt uns das komisch vor - wie in den frühen Jahren der USA - "Master & Slave", Herrscher und Sklave...

Die Mint-Tarte ist suuuper lecker. Jedoch stellt sich bereits nach dem ersten Bissen heraus, dass dies eher weniger ein leichter Minze-Kuchen ist, eher eine fette und dicke Karamel-Sahne-TORTE mit etwas Minz-Geschmack in der Sahne. Hier das Rezept: gefühlte 2,5 Tonnen Zucker in einen Pott, Sahne dazu, karamelisieren lassen, ein wenig Mize-Splitter in die Sahne rein und fertig... Puhh, ich bekomme die Torte nur halb auf und bin echt froh, dass der Kaffee im Durchschnitt, prozentual auf die Masse gerechnet, weniger Zucker hat, als die Torte.

Zum Abschluss erzählt uns die Chefin noch, wie gefährlich das Land doch geworden sei. Dabei macht sie uns auch den Unterschied zwischen "coloured" und "black" klar - also zwischen den "gefärbten" und den "schwarzen" Menschen. Von den "coloured" gibt es wohl einige nette, die auch arbeiten wollen (siehe die Angestellte). Und die schwarzen, die klauen alle und sind alle gemein, hinterhältig und gewaltbereit bzw. gewalttäig. Diese pauschalen Aussagen gefallen uns weniger, denn wir haben das bislang komplett anders erfahren (und sind auch froh darüber). Wir machen uns also mit einem eher komischen Gefühl auf die Weiterfahrt nach Cape Agulhas.

Die Eroberung des Indischen Ozeans

Dienstag, 03. Nov. 2009 - Unser Plan sieht vor, von Heidelberg direkt nach Witsand an die Küste zu fahren und vor dort aus die in unserem Road-Atlas eingezeichnete Küstenstraße zu nehmen. Witsand ist ein kleines, verschlafenes Nest direkt am Ozean. Der Strand gefällt uns prima und bietet eine genial Kulisse für einige Fotos...

Nun wird es Zeit, mich von einigen eventuell bevorstehenden Sprüchen zu befreien. Seit Tagen, eigentlich seit Anfang der Reise rede ich davon, dass ich einmal im Indischen Ozean schwimmen möchte - sollte uns unsere Reise über die Garden Route führen. Einziges Problem dabei: es ist sau kalt und echt windig. Allerdings kann ich nun auch keinen Rückzieher mehr machen und zieh mir meine Badeshorts an und laufe wild entschlossen, Baywatch-artig in Richtung Indischen Ozean. Leider muss ich irgendwann langsamer machen, denn die Strömung ist sooo stark, dass es mir zweimal fast die Beine weg gezogen hat.

Kurzum: ich bin im indischen Ozean geschwommen, Andreas nicht - das gibt doch einiges an Selbstbestätigung ;-). Und das "Wellenreiten" hat echt Spaß gemacht. Vor allem bin ich nun auch wach und gerüstet für den nächsten Kilometer Küstenstraße.

Gefährliche Brandung

Dienstag, 03. Nov. 2009 - "Ausschlafen" ist das Motto von heute morgen. Irgendwie klappt das aber nicht so richtig. Es ist 7h und ich bin hellwach. Also klappe ich mein Dachzelt auf und genieße den Ausblick auf die unendliche Weite des Ozeans. Etwas später wird auch Andreas wach. Ein vorletztes Mal das allmorgentliche Prozedere: ab ins Bad, Zeltplatz aufräumen, Dachzelte zusammen klappen, Campground bezahlen, Abwasch erledigen und "Hit the raod"...

Unser erstes Ziel heute morgen: der Leuchtturm von Mossel Bay. Wir klettern den Steinweg hoch und genießen den Blick auf die steilen Felswände, auf die im Sekundentakt die tonnenschweren Wellen einschlagen. Dementsprechend schroff sehen auch die Feldwände aus. Gigantische Brandung. Wir verstehen kaum unser eigenes Wort.

Auf dem Rückweg durch Mossel Bay halten wir noch einmal kurz an und trinken 2-3 Kaffee. Dazu gibt's ein kleines Sandwich. Unglaublich, wie groß die Portionen hier sind. Ein kleines Semmel hätt's auch getan, das gibt es hier aber nirgends. Auch heute kommen wir zusammen mit 10 Euro davon - und da ist schon ein seeeehr üppiges Trinkgeld für die Bedienung bei. Und nun geht es weiter nach Heidelberg und von dort aus an die Küste nach Cape Angulhas, dem südlichsten Punkt unserer Reise - weil auch südlichster Punkt in Afrika.

Mit Blick auf den Indischen Ozean

Montag, 02. Nov. 2009 - Unsere Ziel-Stadt für heute ist erreicht. Mossel Bay am Indischen Ozean. Wir finden im Lonely Planet einen tollen Camping-Platz, direkt in der Nähe des Leuchtturms. Diesen fahren wir an und bekommen "zum Glück" auch ohne Reservierung noch einen Platz. D.h. wir teilen uns die 150 Stellplätze mit 5 anderen Campern. Bush Baby wird so geparkt, dass wir auf den Indischen Ozean blicken können. Schnell Zelte aufschlagen, ein letztes Mal unseren Grill auspacken und anheizen. Der Wind unterstützt dabei prima. Ein paar Bier später liegt auch das Fleisch schon auf dem Grill. Dazu gibt's dann noch drei Suppen, die wir auch auf dem Grill warm machen können.

Mit Einbruch der Dunkelheit beschließen wir, die Stadt noch ein wenig unsicherer zu machen. Auf der Suche nach einer netten Kneipe finden wir nur einen sehr britisch angehauchten Pub mit noch mehr häßlichen Menschen darin, als befürchtet. Wir laufen weiter, und weiter... Auf dem Rückweg entdecken wir eine Havanna Club Lounge, die uns anspricht. Andreas hat die auf dem Hinweg nicht erwähnt, weil da was von "Cigar Lounge" steht. Da sie auch einen Nicht-Raucher-Bereich hat, streichen wir gedanklich das "Cigar" raus und genehmigen uns erst einmal einen Mojito. Wir überlegen, einen Long Island zu trinken - da dies aber typischerweise der letzte Cocktail ist, schieben wir auf Empfehlung des Bar-Keepers noch einen Zombie dazwischen.

Der Barman schlägt uns vor, dass er uns einen kostenlosen Shuttle-Service bestellt, der uns (wirklich für kein Geld) zum Campground bringt. Das sind allerdings nur 700m oder so. Leicht beunruhigt fragen wir nach, ob die Stadt ein wenig unsicher sei oder warum er uns das mit dem Shuttel vorschlägt. Er beruhigt uns wieder und meint, dass er selbst schon seit vielen Jahren in Mossel Bay wohnt und er keine sicherere Stadt als diese in ganz Süd-Afrika kennt. Das mit dem Shuttle hätte er nur vorgeschlagen, weil das viele Gäste gerne in Anspruch nehmen. Wahrscheinlich hat er uns nicht mehr zugetraut, nach der Menge an Cocktails nach Hause zu gehen...

Mittwoch, 4. November 2009

Was bedeuten Straßen-Schilder mit einem Kaffee?

Montag, 02. Nov. 2009 - Knysna, eine Stadt, die mich an vieles erinnert. USA vom Straßenverlauf her, England danke der Cricket spielenden Schulkinder, Australien auf Grund der Leute und des Wetters, Kiel auf Grund der Bucht (ähnlich der Nordsee), ... Das "original" italienische Eis an dem Stand schmeckt allerdings weniger nach Italien. Das Hafengebiet ist sehr schön und sauber, allerdings auch sehr touristisch. Wir fallen gar nicht auf mit unseren Rucksäcken und Kameras in der Hand. Auf dem Rückweg zum Auto schauen wir noch kurz in die Kirche rein und machen uns wieder auf den Weg in Richtung George, mit Mossel Bay und einem Kaffee Zwischenstopp als Ziel.

Das mit dem Kaffee als Zwischenstopp klappt leider nicht wirklich. Dies ist nun die dritte (und auch letzte) Location, die wir anfahren, weil an der Straße ein Schild mit einer Kaffee-Tasse steht. IIch frage mich mittlerweile, was ein solches Schild zu sagen hat. Warum stellt man so etwas auf, wenn es dort keinen Café gibt?!? Wir haben es nicht rausgefunden - wer eine Idee hat, lasse es uns bitte wissen...

Die Karte verrät uns eine kleine Bucht - die Herold's Bay. Das sieht schon einmal sehr schön abgeschieden aus, so dass wir die 15km Stichstraße gerne fahren. Ein Café finden wir nicht, dafür eine sehr schöne Fels-Küste mit Blick auf das kleine verschlafene Nest von "Herold's Bay". Wir lassen uns durch den Koffein-Mangel nicht demotivieren und machen einen auf Selbstversorger. Aus Milch und Instant-Kaffee können wir sehr gut einen Eis-Kaffee machen. Dachten wir... Unser Kühlschrank zeigt 20 Grad an. Vermutlich geht er seit der Reparatur von Bush Baby nicht mehr. Somit gibt es halt einen warmen Eis-Kaffee... (nein, keinen richtigen heißen Kaffee, denn unsere Gas-Kocher ist defekt).

Wieder genesen...

Montag, 02. Nov. 2009 - Unserem Bush-Baby geht es wieder gut. Die Lungenentzündung konnte geheilt werden. Ein kurzes Telefonat heute morgen mit Britz hat ergeben, dass wir einen "Supa Quick" suchen sollen, um den Wagen dort checken zu lassen. Dort sitzten wir jetzt und warten. Anscheinend gibt es einen "H2N5-Auto-Virus" hier in George, denn es ist irgendwie überlaufen.

Kurzer Hand entscheiden wir uns, zu frühstücken. Der Tipp aus der Werkstatt: ein "Pick & Go" bzw. Take-Away 200m die Straße rauf. Hmm, lecker. Einen Double Cheesburger mit einem starken Kaffee... Nichts anderes hat's gegeben. Noch einmal ein Danke an Adreas, der liebenswerter Weise einen "Sahe-Karamel" Keks zum Kaffee mitgebracht hat. Zumindest behauptet er steif und fest, dass dies so schmeckt... Aus meiner Sicht ist das Pulvertrockener Sand, sehr feiner Sand, mit gaaaaaanz viel Zucker gemischt, aufgekocht und in eine Form gegossen. Ich lasse mein Stückchen auf jeden Fall liegen. Andreas schmeißt es in seinen Kaffee und freut sich nun, dass er keinen Zucker mehr braucht... Und das beste - das Frühstück hat insgesamt keine 8 EUR gekostet (für beide).

Zurück beim SUpa Quick überzeugen wir uns von der Arbeit der Jungs. Unser Bush Baby liegt schon auf dem OP, die Vorderreifen sind bereits abmontiert. Diagnose: Bremsscheiben defekt. Vorne links absolut abgefahren, vorne rechts gebrochen. Das hat auch so geschlieffen. Ich lasse mir noch drei Mal versichern, dass dies ganz normale Verschleiß-Erscheinungen sind. Alles andere hätte mich extremst gewundert - wir haben ja kaum gebremst...

Auch beim Supa Quick kommen wir sehr günstig davon - die schicken die Rechnung direkt an Britz, unseren Vermieter. Insgesamt hat uns der Spaß nun einen halben Tag gekostet, einiges an Erfahrungen gebracht. Wir setzen uns ins Auto und fahren los. In Richtung Knysna (gesprochen Niz-na) - laut Lonely Planet deeeeer Stadt an der Garden Route...

Spannende Fahrt über Pass-Straßen und durch Canyons

Sonntag, 01. Nov. 2009 - Die erste Stunde nach dem Nationalpark verläuft langweilig. Andreas schläft auf dem Beifahrer-Sitz tief und fest und im Radio läuft die David Garrett. Die Geräusche am Auto werden immer lauter, was mich irgendwie beunruhigt. Es hört sich nach den Bremsscheiben an, die schleifen. Ich lass den Wagen auf dem Straßenrand ausrollen, nehme meine Flasche Wasser und kippe einen Schwall durch die Felge. Es zischet und dampft. OK, es sind die Bremsscheiben. Gut, dass wir nur noch 250km bis zum nächsten Ort fahren müssen.

Keine 50km später ändert sich die Landschaft. Berge tauchen vor uns auf und ich frage mich, ob wir da durch müssen. Mit der Garden-Route habe ich mich bislang nicht beschäftigt, mein Gefühl sagt mir allerdings: "über diese Berge musst Du drüber." Und so ist es auch. Es taucht eine Schlucht auf, der zu einem Canyon mutiert. Rechts und links von uns türmen sich die Felsformationen auf. Es geht steil hinauf - ungefähr 800m. Durch den Canyon bläst der Wind - mit ca. 4-5 Windstärken. Wir halten an und ich bekomme kaum die Tür auf. Eine wahnsinnig tolle Kulisse. Andreas (mittlerweile wieder wach) ist davon überzeugt, dass sich der Umweg zur Garden Route bereits jetzt bezahlt gemacht hat. Ganz sicher bin ich mir dazu noch nicht...

Der Canyon endet - der Straßenverlauf ist wieder wie gewöhnlich einsehbar. Für die nächsten 20km. Einfach nur geradeaus. Am Ende des Horizonts sehen wir, dass die Straße in die Berge führt. Dort geht es dann die Serpentinen hoch. Soweit so gut. ALlerdings weiß ich, dass unser Ziel Knysna am Meer liegt. Und das wiederum bedeutet, dass wir alles, was war nun an Höhenmeter gewinnen, wieder runter fahren müssen. Und das mit unseren jetzt schon zwischenden Bremsscheiben. Super!

Und so kommt es auch. Nach 950 Höhenmetern ist der Pass erreicht. Die Zeichen, dass schwere Fahrzeuge die niedrigen Gänge einlegen sollen, beruhigen und beunruhigen mich zugleich. Zum einen: es ist nicht sooo steil, dass die Strecke für die schweren Fahrzeuge gesperrt sind. Zum anderen: es geht sooo steil abwärts, dass die kleinen Gänge benötigt werden. Gymnasiale Mathestunden mit Hr. Jansen zur Tangentialrechnung spielen sich vor meinem geistigen Auge noch einmal ab. Ich rede mir ein, dass ja eigentlich nichts passieren kann, solange wir nicht bremsen. "Nicht bremsen". Alles klar, ich geb mein bestes. Im zweiten Gang dackeln wir den Pass runter und nehmen jeden Rastplatz mit, um alles abkühlen zu lassen, was sich aufgewärmt haben könnte. Zwanzig Minuten später können wir wieder sagen "Alles ist gut!"

Wir sind unten und fahren bis nach George - bzw. durch diesen eher industriell angehauchten Ort durch weiter nach "Wilderness". Dort finden wir einen sehr idyllischen Camping Platz und sind froh, noch im letzten Tageslicht dort anzukommen. Leider ist das Bier auch nicht kaltgestellt, so dass wir die letzten Wein-Reste, also die letzten 1 1/2 Flasche wegtrinken.